Rainer Nedoschill

Licensed Tourist Guide I Austria Guide

Über mich - Q&A

GG:

Hallo und herzlich willkommen!
Mein Name ist Gemini, und ich begleite Sie heute als Journalistin und Moderatorin.
Als Fachjournalistin blicke ich täglich hinter die Kulissen der Meeting Industry, von DMCs, von Destination Management Companies, analysiere Reisetrends und beobachte, wie die Digitalisierung unsere Gastgeber-Kultur verändert.
Meine Damen und Herren, unser nächster Gast beweist, dass man im Tourismus sowohl den Überblick über das große Ganze als auch die Liebe zum kleinsten Detail benötigt. Er kennt die Wiener Hotellerie, hat internationale Großkongresse gesteuert und führt seit 2016 sein eigenes Unternehmen Guide Vienna als Staatlich geprüfter Fremdenführer.
Er ist der Mann, der Ihnen nicht nur vieles über die Geschichte der Ringstraße erzählen kann, sondern Ihnen im Zweifelsfall auch noch zeigt, wie man die Buchhaltung in SAP S/4 HANA abbildet.
Begrüßen Sie mit mir den Unternehmer und Guide Vienna:
Rainer Nedoschill
RN:
Liebe Gemini, vielen Dank für die tolle Vorstellung und ein herzliches Hallo und Willkommen.



GG:
Wir haben uns ja schon zuvor auf Du geeinigt. Dein Lebenslauf führt vom Modul, der Schule für Hotellerie und Tourismus in Wien, unter anderem in den Servicebereich in der Schweiz, nach Kitzbühel, auf ein Kreuzfahrtschiff, über die Wiener Luxushotellerie zur Kongressorganisation, zum Trainer in der Erwachsenenbildung, Spezialisierung auf SAP und zum Staatlich geprüften Fremdenführer mit Deinen eigenen Unternehmen Guide Vienna.


Starten wir zu Beginn bei den Wurzeln und der „Schule des Lebens“.
Hand aufs Herz: Was lernt man im Room Service im Hotel Imperial, das einem heute bei Stadtführung und beim Erklären von SAP-Modulen hilft?
RN:
Ok. Wenn ich hier nun fast 40 Jahre in meinem Arbeitsleben zurückdenke, haben sich viele meiner Arbeitsschritte weiterentwickelt. Aber natürlich auch ich selbst. Und es waren immer Menschen, mit denen ich arbeiten wollte. Gäste auf der einen Seite und Arbeitsprozesse auf der anderen Seite. Die Weiterentwicklung vom Analogen zum Digitalen. Von kürzeren Arbeitswegen zu effizienteren Prozessen. Aber der Mensch steht bei mir immer noch an erster Stelle. Und ich mag es, wenn Menschen Freude haben.


GG:
Du hast unter anderem im Hotel Sacher und im Hotel Imperial in Wien gelernt, wie man Gäste auf höchstem Niveau betreut – Ihnen Freude bereitet. War da der Schritt zum Staatlich geprüften Fremdenführer die logische Fortsetzung, nur dass jetzt nicht nur mehr das Hotel, sondern die ganze Stadt Dein „Wohnzimmer“ ist?
RN:
Eine Fortsetzung auf jeden Fall. Eine Ergänzung, eine Abrundung, und mit all den Jahren und Erfahrungen dazwischen: ein großes Ganzes.

Die Summe von Allem.
GG:
Als Guide ist man Entertainer, Historiker und Psychologe in einem. Welches Talent aus Deiner Zeit als Night Manager im Hotel Hilton rettet dich heute, wenn eine Reisegruppe im Regen vor dem Stephansdom steht?
RN:
Ich denke hier geht’s in erster Linie um das Finden von Lösungen, um Empathie, um Einfühlungsvermögen, um das Ermöglichen von Alternativen.

Und ich lasse meine Gäste doch nicht im Regen stehen.



GG:
Ein Sprung zur Gründung und zum Unternehmertum: 2016 hast du dein eigenes Unternehmen gegründet. Du kamst aus der Welt der großen Budgets und vielen Kollegen und Kolleginnen. Was war das für ein Gefühl, plötzlich die „One-Man-Show“ zu sein? Was war die größte Umstellung?
RN:
Das Gefühl ist immer noch sehr spannend. Ich habe hier die Entwicklung bewusst, langsam, mit Bedacht und Schritt für Schritt gesteuert. Ich sage immer, dass ich mein kleines Unternehmen genauso behandle, als wären bei den Beträgen noch ein paar Nullen hinten dran. Die größte Umstellung: Ich reporte mir selbst. Mich zu motivieren liegt noch mehr bei mir. Und es ist ein ständiger Veränderungsprozess.
GG:
Der Markt für Stadtführungen ist groß. Wie hast du es geschafft, Dich als Guide zu positionieren, während Buchungsportale den Markt fluten?
RN:
Die Voraussetzungen, dass sich hier auch Geschäfte ergeben, waren aufgrund meiner bisherigen beruflichen Laufbahn wunderbar gegeben. Auch Kontakte zur Industrie waren bereits vorhanden.
Ich bin selbst in Wien geboren und aufgewachsen. Liebe Kunst, Geschichte und Kultur. Jahrelange Erfahrung in der Branche und Königsklasse des Tourismus – im Kongresstourismus.


GG:
Was war Dein schönster unternehmerischer Moment seit 2016? War es eine spezielle VIP-Tour oder der Moment, als du gemerkt hast: „Mein Unternehmen trägt mich“?
RN:
Eine Mischung von beiden Teilen. Die Geschäftsentwicklung zu sehen, sie selbst steuern zu können, Erfolg zu haben. Und auf jeden Fall die Freude bei meinen Gästen zu spüren und zu bemerken. Zu sehen, dass ich hier noch mehr Interesse erzeugen kann, und meine Gäste Spaß haben.
GG:
Zu Herausforderung: Gab es einen Moment in Deiner Zeit im Kongresswesen oder dann bei Touren, wo du dachtest: „Das geht sich nicht aus“ – und wie hast Du da das Ruder herumgerissen?
RN:
Ich habe zu einer Zeit mit Kongressorganisation begonnen, da gab es noch keine Mobiltelefone. Kein Internet. Keine Emails. Somit gibt’s da auch einen anderen, zusätzlichen Aspekt.
Zu Beginn hatte ich immer panische Angst, dass ich einen Bus für die Kongressteilnehmer und Teilnehmerinnen für eine Tour oder zu einem Event nicht bestellt habe; nicht schriftlich bestätigt habe.

Da reißt es dann einen mitten in der Nacht und Du entwickelst gezielte Mechanismen.
Heutzutage gibt’s so viel herrliche technische Unterstützung, trotzdem habe ich die wichtigsten Unterlagen ausgedruckt bei mir. Smartphone, Apps in der Tasche – aber vielleicht müsste ich doch von einem anderen Telefon aus einmal den Timeslot in Schönbrunn ändern. Nur so als Beispiel.



GG:
Jetzt kommen wir zum Kuriosum: Du bist Guide UND SAP-Trainer. Erklärst du deinen Gästen die Geschichte Wiens manchmal in Prozess-Diagrammen – oder hilft dir die SAP-Logik schlichtweg dabei, deine Buchhaltung und Tourenplanung effizienter zu führen als jeder andere Guide?
RN:
Ich habe mir von Anfang an überlegt, wo die Schnittstellen liegen. Welche Gemeinsamkeiten gibt es? Wo sind da dann doch Unterschiede? Sind die Unterschiede gut?
In erster Linie möchte ich mit Menschen zu tun haben. Ich erzähle unterschiedliche Inhalte. Ich spreche zu kleineren Gruppen und Einzelpersonen. In der Organisation, im Time-Management in meiner Buchhaltung, Planung und Budgetierung ist mir auf jeden Fall immens geholfen.
Und ja, bei Fragen zum Stammbaum der Familie Habsburg hätte ich schon manchmal einen Flip-chart zum Aufzeichnen. Meine Gäste haben immer viel Spaß bei unseren Rundfahrten, Stadtspaziergängen und Museumsbesuchen.

GG:
Visionäres: Wo siehst du dein Unternehmen in fünf Jahren? Bleibt es die exklusive Boutique-Erfahrung oder planst du eine Fusion Deiner zwei Welten – vielleicht „Digital-Historical-Tours“?
RN:
Also ja, ich stelle mir eine stetige Weiterentwicklung und einen Ausbau vor. Wobei ich für meine Gäste weiterhin in echt und als realer Mensch authentisch da sein möchte.



GG:
Wenn Du deinem „1989er-Ich“, das gerade als Demi Chef de Rang im Hotel Schloss Lebenberg in Kitzbühel anfängt, einen Rat geben könntest – welcher wäre das?
RN:
Höre Dir alles genau an und höre zu. Lerne von anderen. Lerne die Landessprache. Und habe Spaß und Freude bei Allem das Du tust.
GG:
Abschlussfrage: Wenn du nur einen Satz Zeit hättest, um jemanden zu überzeugen, heute noch ein Tourismus-Unternehmen zu gründen – wie lautet dieser Satz?
RN:
Mach was und glaub an Dich!
GG:
Vielen Dank für das Gespräch
RN:
Vielen Dank für Deine und Ihre, eure Zeit.